Alles wird Gut

im Gutshaus Klein Kussewitz.

von Sharon Berkal

Vor einigen Jahren war ich mit meinem Mann in Südengland urlauben. Cornwall, Devon und Somerset, eine richtige Tour durch die 'English Countryside' mit ihren kleinen Dörfern, Gärten, Feldern, Gastropubs und Schlössern. Ein wundervoller Urlaub! Gerade auch deswegen, weil wir überall diesen tollen Mix aus Tradition und Moderne fanden: zum Beispiel ein altes Schloss, eingerichtet mit Möbeln von Terence Conran oder ein uriger Pub mit Ale und vegetarischer Küche. Es fühlte sich auf jeden Fall immer so an, als würde man bei einem Freund mit richtig gutem Geschmack zu Besuch sein. Wir fühlten uns willkommen. Die Liebe und den Willen zum Detail haben wir willenlos geliebt. Sehnlichst wünschten wir uns damals, dass die 'German Countryside' sich davon eine Scheibe abschneidet – an Landschaft und Häusern sollte es ja nicht mangeln. Nun wurden unsere Gebete erhört, in Form des GUTSHAUS' KLEIN KUSSEWITZ in Mecklenburg-Vorpommern!

Obwohl es nur 15 Minuten von Rostock gelegen ist, kann man im GUTSHAUS KLEIN KUSSEWITZ in Klein Kussewitz die Welt vergessen. Unsere “guten Freunde mit bestem Geschmack” sind in diesem Fall EYLEM KADEM und ihr Mann KARL MATTHES. Seit 2019 betreiben und bewohnen sie das Gutshaus, dass gleichzeitig ein Boutique-Hotel mit sechs individuell gestalteten Apartments ist. Eingebettet ist das Gutshaus, das erstmals 1704 urkundlich erwähnt wird, in einen zwei Hektar großen Landschaftsgarten mit Badeteich, Strand und unzähligen Plätzen zum Entspannen. Das gesamte Erdgeschoss dient als Gemeinschaftsbereich: Ein Kaminzimmer, ein historischer Musiksalon mit einem restaurierten Flügel von Blüthner, ein Schachzimmer sowie die Bibliothek laden zum Verweilen ein.


Entschleunigen Sie mit Stil im GUTSHAUS KLEIN KUSSEWITZ.


Behutsam haben KARL MATTHES, Biobauer mit mehr als 1.000 Rindern, selbst Rostocker, und EYLEM KADEM das vom Verfall bedrohte Haus in eine Oase verwandelt. Die gebürtige Berlinerin hatte viele Jahre eine Eventagentur in der Hauptstadt, bevor sie 2006 auf Usedom die „Hafenküche Rankwitz“ eröffnete. Ihr Auge für das Besondere, ihre Liebe zu guter Küche und Design sowie die jahrelange Event-Erfahrung machen sie zur perfekten Gastgeberin. (Jedes Apartment ist mit einer kleinen Küchenzeile ausgestattet. Eier gibt es von den eigenen Hühnern frisch für´s Frühstück zu kaufen. Wird das gesamte Haus für Feiern oder Familienzeit gebucht, kann Vollverpflegung arrangiert werden.)

Die Gastgeber KARL MATTHES & EYLEM KADEM
Die Gastgeber KARL MATTHES & EYLEM KADEM

SHARON BERKAL: „Was war die Motivation für das Gutshaus? Ein Traum oder ein Zufallsfund, aus dem die Idee entstanden ist?“

 

EYLEM KADEM: „Wir waren wirklich nicht auf der Suche nach einem Gutshaus, es ist tatsächlich aus Versehen passiert. Ein Freund von uns hat uns damals erzählt, dass das Gutshaus zum Verkauf steht und ob wir nicht einmal gucken wollen. Es sollte zwei Wochen später in die Zwangsversteigerung gehen. Es war dann wohl doch Liebe auf den ersten Blick. Wir haben uns mit dem Vorbesitzer schnell geeinigt, einen Preis ausgehandelt, alle seine Schulden bezahlt und ihm noch ein bisschen Geld in die Hand gedrückt. So konnten wir es vor der Zwangsversteigerung retten."

 

SB: "Und das sollte erstmal nur ein persönliches Refugium werden?"

 

EK: "Es war klar, dass wir hier wohnen werden, aber die Geschäftsidee war anfangs eine andere. Ich habe eher an Veranstaltungen gedacht und überlegt, den Dachboden dafür mit ein paar Dutzend Schlafnischen zu versehen.
Aber es war mir dann doch zu krass, jede Woche ein Fest zu organisieren, um das Geld reinzuspülen, was wir investiert haben.


Und irgendwann ist mir beim Renovieren der Gedanke gekommen, dass ich mir hier mein eigenes kleines Soho House (Anmerkung: internationales Hotelkette und Member´s Club) baue. Und das ist es dann auch am Ende geworden. Ich empfinde die Gäste nicht als störend. Im Gegenteil: Meistens sind es Leute, die total nett sind."

 

SB: „Hattest Du beim Kauf des Hauses sofort eine stilistische Vision, also wie das Interieur aussehen soll?“

 

EK: "Gar nicht! Mir lag nur besonders am Herzen, einen Ort zu schaffen, an den Leute kommen und sich wohl fühlen. Ich hätte viel mehr Appartements in das Haus reingekriegt, wollte das aber bewusst nicht. Die Einheiten sollten groß genug sein, dass man auch bei schlechtem Wetter drinnen ein bisschen chillen kann. Man kann sich natürlich auch im Erdgeschoss aufhalten, aber das will ja auch nicht jeder. Wir hatten auch keinen Architekten. Wir haben den Dachboden leergeräumt und ich habe mit dem Trockenbauer und einer roten Spraydose Wände, Bäder und Küchenzeilen auf den Boden gezeichnet. Einen Teil der Möbel, die hier im Haus waren, konnten auch noch verwendet werden. Die geben den Touch des Historischen und vor allem Charme."

 

SB: „Dein Haus wirkt sehr international. Wolltest Du ein Pendant zu den klassischen Jet-Set-Wochenend-Orten liefern?“

 

EK: „Pendant? Corona wirft auf jeden Fall Fragen auf, wie und wohin wir wann eigentlich reisen. Ich persönlich finde es ganz schwierig, in Deutschland Hotels, Ferienhäuser oder Gutshäuser zu finden, die nach meinem Geschmack eingerichtet sind. Ich finde die meisten Unterkünfte sind total altbacken. Ich will jetzt nicht sagen, ich habe das schönste Haus aus Deutschland. Aber ich merke schon, dass wir einen Lauf haben. Wir scheinen etwas richtig gemacht zu haben.“

 

SB: „Urlaub in Meck-Pomm klingt für die meisten jetzt nicht sehr verlockend. Was würdest Du dagegen halten? Warum ist das doch verlockend?“

 

EK: „Ich glaube, dass wir in so einer schnellen hektischen Zeit leben, dass Urlaub auf dem Land für alle immer wichtiger wird. Früher bin ich auch jedes Jahr fünf mal nach Ibiza geflogen, aber wir sind alle keine Zwanzig mehr. Mittlerweile muss ich sagen, dass absoluter Urlaub für mich heißt: keinen Mensch sehen und auch nicht reden müssen. Komplett zu entschleunigen, von der rasanten Zeit, in der wir leben, das ist Urlaub. Und diese Entschleunigung findet man in Meck-Pomm.”

Und in der Umgebung? Landschaftlich sind Sie mit dem nahe gelegenen Darß gut versorgt: Meer, kilometerlange Strände, Felder und Wälder für ausgedehnte Spaziergänge. Wir geben zu, dass die Gegend in Sachen “gute Restaurants” u.ä. der "English Countryside", Südfrankreich und vielleicht selbst Bayern etwas hinterherhinkt... Aber wenn es niemand nachfragt, wird sich auch nichts ändern! Wir empfehlen Ihnen auf alle Fälle ausgedehnte Ausflüge in das malerische Ostseebad Ahrenshoop mit seinen reetgedeckten Häusern. Kehren Sie für einen Kaffee in den CHARLOTTENHOF ein und essen zu Abend bei #HERRHOSHI: panasiatische Küche auf höchstem Niveau. Ebenfalls malerisch: der Ort Prerow. Hier ist das CAFE TEESCHALE ein pittoresker Ort zur Einkehr. Kein Ort der Einkehr war für uns Zingst – zwar lockt es mit einer Seebrücke, ist aber ansonsten hektisch, verbaut und eher der 08/15-Touristen-Spot. Wem es nach mehr urbaner Zivilisation dürstet: Rostock wartet mit einer sehr schönen Altstadt und der Kunsthalle auf. Essen können Sie dort zum Beispiel im Hafenrestaurant BORWIN. Oder Sie machen einen Abstecher nach Warnemünde – mit seinem mit Fischerbooten gesäumten Kanal und dem markanten Leuchtturm. Schreiben Sie uns oder taggen uns auf Instagram, wenn Sie dort sind. Wir freuen uns und wünschen einen schönen Urlaub!

 

 

GUTSHAUS KLEIN KUSSEWITZ

Am Gutshaus 15

18182 Bentwisch

OT Klein Kussewitz

 

www.gutshauskleinkussewitz.de



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Alle Fotos © Felix Gänsicke