POESIE DEr PIGMENTE.

Wie der Designer FRANK LEDER mit HEUREKA deutsche Kulturgeschichte in Farbe übersetzt.

von Sharon Berkal 

Manchmal beginnt eine neue Marke nicht mit einer Marktanalyse, sondern mit einem Moment. Bei HEUREKA, der Farbmarke des Berliner Designers FRANK LEDER, ist es ein alter Kachelofen in seinem Atelier. Der prachtvolle Gründerzeitofen sollte neu gestrichen werden  doch die Suche nach der richtigen Farbe führte zu einer Idee, die größer war als ein einzelner Anstrich.

 

Auf dem Ofen lag ein alter Brief. Darauf eine ebenso alte Briefmarke: Immanuel Kant, im Profil, gestochen auf rotem Papier. Was FRANK LEDER daran faszinierte, war nicht der Philosoph... sondern sein Ohrläppchen! Ein tiefes, sattes Rot, fast überzeichnet durch die Technik des Stichs. In diesem Moment entstand eine Frage: Was wäre, wenn Farben Geschichten erzählen könnten? Was, wenn deutsche Kulturgeschichte nicht nur in Büchern existiert, sondern in Pigmenten? Wenn Orte, Figuren und Momente – Dichter, Landschaften, Anekdoten – zu einer Farbwelt werden?

 

Der HEURAKAmoment!

KULTUR AN JEDER WAND.

Frank Leder
Frank Leder

Gemeinsam mit seinem langjährigen Geschäftspartner Jörn Apel, Ingenieur und Unternehmer, begann Leder diese Idee zu entwickeln. Nach rund einem Jahr Recherche, Entwicklung und Tests entstand HEUREKA: eine Marke für Lehm- und Kreidefarben, plastikfrei, wohngesund und in Deutschland produziert.

 

Heute umfasst die erste Palette 24 Farbtöne – eine bewusst kuratierte Auswahl, die nicht auf maximale Vielfalt setzt, sondern auf Charakter.

 Die Namen der Farben lesen sich wie ein kleines kulturhistorisches Register: Goethes Gartenhaus Grün, Lola Montez Rot, Blautopf Blau, Immanuel Kant Rot, Alt Berlin Braun

 

Jede Farbe ist an eine Geschichte gebunden – an einen Ort, eine Person oder einen Moment.

Badezimmer in Alt Berlin Braun
Badezimmer in Alt Berlin Braun

„Wir wollten von Anfang an keine 130 Farbtöne entwickeln“, sagt FRANK LEDER. „Unsere Farben sind immer an Orte und Personen gebunden. Sie sind mit Geschichten verwebt; ein Angebot, aber niemals eine Bedingung.“

 

Die Palette reicht von sanften Weiß- und Beigetönen, die an Kreidefelsen oder Meissener Porzellan erinnern, bis zu tiefen Blau- und Brauntönen mit einer fast archaischen Wirkung.

 

Alle Farben verbindet eine matte, erdig-elegante Anmutung, die Räume ruhig und zugleich charaktervoll wirken lässt.


RESONANZRAUM EINES DESIGNERS.

Dass FRANK LEDER irgendwann Farben entwickeln würde, erscheint im Rückblick fast selbstverständlich. Der Designer, dessen Mode besonders in Japan und Nordamerika geschätzt wird, arbeitet seit jeher mit kulturellen Referenzen. Seine Kollektionen entstehen aus einer intensiven Beschäftigung mit Orten, Geschichten und Traditionen. Auch seine Räume spiegeln diese Haltung wider.

 

„Um eine Kollektion gestalten zu können, braucht es einen Ort, der inspiriert – einen Resonanzraum für Ideen“, sagt LEDER. „Die Gestaltung der unmittelbaren Umgebung ist deshalb immer Teil meiner Arbeit gewesen.“ Von der Kleidung führte dieser Gedanke zunächst zu Möbeln – und schließlich zur Wand. „Nachdem ich mich mit Möbelstücken beschäftigt hatte – also den Verbindungsgliedern zwischen Bekleidung und Raum – wollte ich mich irgendwann der äußersten Hülle eines Raumes widmen.“

 

Viele der Farben in der HEUREKA-Palette haben ihren Ursprung in LEDERS jahrzehntelanger Beschäftigung mit kulturellen Eigenarten des deutschsprachigen Raums. Ein besonders schönes Beispiel ist „Stenz Beige“. Der Name verweist auf die Walz der Handwerksgesellen – eine Tradition wandernder Handwerker. Ein zentrales Objekt dieser Reise ist der Stenz, ein aus Geißblatt gedrehter Wanderstab. Seine knotige Oberfläche und das blasse Beige des Holzes wurden zur Inspiration für einen Farbton.

 

„Ich sammle seit Jahrzehnten Geschichten, Orte und Gegenstände“, sagt Leder. „Viele dieser Momente tauchen irgendwann wieder auf – manchmal als Stoff, manchmal als Farbe.“ HEUREKA wird so zu einer Art Wunderkammer in Pigmentform. 

MATERIAL MIT HALTUNG.

Neben der erzählerischen Ebene spielt auch die Materialität eine zentrale Rolle. Statt klassischer Dispersionsfarben entschied sich HEUREKA bewusst für Lehm- und Kreidefarben. „Das Fundament musste eine kompromisslos natürliche Basis sein“, sagt LEDER. „Keine plastik-intensiven Dispersionsfarben, sondern ehrliche Materialien.“

 

Produziert werden die Farben in einer spezialisierten Manufaktur in der Nähe von Hamburg. Der Grund für diese Entscheidung ist auch gesundheitlich motiviert. „Wir verbringen den größten Teil unseres Lebens in Innenräumen. Gerade bei Dispersionsfarben sind wir permanent Mikroplastikpartikeln ausgesetzt. Für mich war es wichtig, das Produkt wirklich zu Ende zu denken.“

 

Diese Konsequenz zieht sich durch das gesamte Projekt: kurze Transportwege, natürliche Inhaltsstoffe, langlebige Pigmentierung.

Motiv zu Alt Berlin Braun
Motiv zu Alt Berlin Braun

FARBE ALS ERZÄHLUNG.

Mit HEUREKA hat FRANK LEDER eine Marke geschaffen, die Wandfarben nicht nur als Gestaltungsmittel versteht, sondern als kulturelle Erzählung.

 

Jeder Ton trägt einen Moment in sich – eine Landschaft, eine Persönlichkeit, eine Anekdote aus der Geschichte. Pigmente werden zu Erinnerungen, Räume zu Resonanzräumen.

 

Die poetischen Texte, die jede Farbe begleiten, stammen aus meiner Feder. Gemeinsam mit Frank Leder entstanden kleine erzählerische Miniaturen, die den historischen Moment hinter jedem Farbton sichtbar machen – und vielleicht Lust darauf, sich tiefer in diese Welt aus Pigment und Geschichte zu vertiefen.

 In einem ausführlicheren Gespräch, das wir mit dem Designer geführt haben, erzählt Frank Leder noch mehr über seine Arbeitsweise, seine Recherchen und darüber, warum für ihn Orte, Materialien und kulturelle Erinnerungen untrennbar miteinander verbunden sind.

 

Und die Reise geht weiter. Neben neuen Farbtönen denkt HEUREKA bereits über weitere Produktlinien nach – etwa eine eigene Farbwelt für Kinderzimmer oder zusätzliche Pigmentgeschichten aus der deutschen Kultur.

 

Bis dahin bleibt eine Einladung:

 

Wer einmal im tiefen Blau eines Arno-Schmidt-Moments wohnen oder im warmen Stenz Beige einen Raum neu entdecken möchte, sollte sich die Farbkarten von HEUREKA bestellen.

 

Denn manchmal beginnt eine Geschichte ganz einfach mit einem Pinselstrich!

 

www.heurekafarben.de