Dieter Rams im Taschenformat.

Eine Designikone to go: die 931 von TSATSAS.

Nach seiner über 40-jährigen Tätigkeit im Produktdesign ist DIETER RAMS noch immer in aller Munde. Mit missionarischem Eifer propagiert er bis heute, dass das richtige Verständnis von Design zu einer besseren Welt beitragen kann. Lange Zeit gab es dazu kein neues Produkt des Altmeisters auf dem Markt, diese Zeiten sind nun vorbei. Jetzt kann man die Designikone DIETER RAMS auch to go an die Hand nehmen - in Form einer Tasche! Die Tasche “931” von TSATSAS. Das in Frankfurt am Main ansässige Taschenlabel legte in Zusammenarbeit mit DIETER RAMS eine Damenhandtasche auf, die er bereits in den 60er Jahren entwarf und bisher nie veröffentlicht hat. Das Design ist so reduziert und gleichzeitig prägnant, wie man es von RAMS‘ Produkten kennt.

1963 hatte DIETER RAMS für seine Frau Ingeborg, die er 1955 als Fotografin bei Braun kennenlernte, eine Handtasche aus Leder entworfen. In engeren Kontakt mit dem Thema Leder kam RAMS während seiner Tätigkeit bei Braun, wo er von 1961 bis 1995 als Chefdesigner tätig war: Für die Etuis von Rasierapparaten arbeitete RAMS mit lederverarbeitenden Betrieben in Offenbach am Main zusammen. Dort entstand auch die Idee, seine Frau mit einem Produkt aus Leder zu überraschen; es blieb jedoch bei einem Unikat. Bis jetzt: Die neue alte Tasche „931“ wird von und für TSATSAS in einem traditionellen Feintäschneratelier in Offenbach am Main von Hand gefertigt und ist in in mehreren Farben erhältlich.

HG: Wie kam das Projekt zustande?

 

TSATSAS: Wir wurden von Dieter Rams Stiftung kontaktiert und erfuhren so von dieser einzigartigen Tasche, die er in den sechziger Jahren als Geschenk für seine Frau Ingeborg entworfen hatte. Man war auf uns durch unsere Re-Edition einer Tasche des Architekten Ferdinand Kramer aus dem Jahr 1963 aufmerksam geworden. Unsere klare Formsprache und unser Anspruch an Gestaltung und Qualität hatte es ihnen angetan. Niemand außer den Mitgliedern der Stiftung wusste von der Existenz dieser Handtasche – man kann sich vorstellen, dass wir sehr glücklich über die Anfrage und das Projekt waren.

 

HG: Warum wolltet Ihr das machen?

 

TSATSAS: Uns hat vor allem die Zeitlosigkeit des Entwurfs fasziniert. Das minimalistische Äußere, das mit einem funktionalen, anspruchsvollen Interior eine perfekte Balance bildet und dabei gleichzeitig moderne Feminität verkörpert, begeistert uns bis heute.

 

HG: Wie ist die Zusammenarbeit mit so einer Designikone?

 

TSATSAS: Dieter Rams war sehr offen und kooperativ – es war eine große Freude, an solch einem Projekt mit ihm arbeiten zu dürfen. Wie man sich vorstellen kann, hat er eine große Leidenschaft für jedes noch so kleine Detail. Dies entspricht zu 100% auch unserer Art zu arbeiten.

 


HG: Ist das eins-zu-eins der Originalentwurf oder wurde etwas modifiziert?

 

TSATSAS: Aus unserer Sicht war der Entwurf so gut wie perfekt, daher wollten wir das Äußere der Tasche exakt so belassen wie im Original. Für das Innenleben allerdings hatten wir einige Ideen, um die Funktionalität der Tasche noch etwas zu optimieren. Es wurde ein abnehmbarer Schulterriemen addiert sowie eine Innentasche, die mit einem Reißverschluss zu verschließen ist. Auch der Magnetverschluss, der die Tasche einfach schließen lässt, ist neu.

 

HG: Merkt man dem Entwurf einen Unterschied zwischen Industrie- und Modedesigner an? Wenn ja welchen?

 

TSATSAS: Definitiv. Anders als oft in der Mode, ist der Entwurf von Dieter Rams sehr zurückgenommen. Seine wahre Schönheit verbirgt er im Inneren, welches sehr durchdacht ist – dies ist etwas, das man in der Mode leider sehr selten findet, obwohl es doch eigentlich so relevant sein müsste.

 

HG: Wie war das Feedback? Aus welcher Ecke kam das meiste Interesse?

 

TSATSAS: Wir hatten aus allen Ecken der Welt ein extrem positives Feedback auf die Tasche. Man muss sich klar machen, dass ein „neues“ Produkt von Dieter Rams gerade in kreativen Kreisen ja einer Sensation gleicht. Sehr viel Interesse kam von Architekten und Designern, die stark durch Dieters Arbeit beeinflusst sind, aber auch unsere Kunden aus der Mode haben den Entwurf sehr positiv aufgenommen.

 


HG: Hat seine Frau auch eines der neuen Modelle?

 

TSATSAS: Ja natürlich!

 

HG: Ähnliche Projekte in Planung?

 

TSATSAS: Etwas „Ähnliches“ wie Dieter Rams kann es nicht geben. Doch wir arbeiten parallel an mehreren Kollaborationen mit Designern, Architekten und Künstlern, oftmals schon seit Jahren, und wenn die Zeit reif ist, werden neue Projekte veröffentlicht werden. Man darf also gespannt sein!



Zu DIETER RAMS:

Dieter Rams, 1932 in Wiesbaden geboren, gilt als einer der bedeutendsten Produktdesigner der vergangenen Jahrzehnte. Seine Entwürfe für die Unternehmen Braun und Vitsoe gelten bis heute als Inspiration für Designer rund um den Globus. Er schuf Designikonen, die bis heute im Produktdesign höchste Relevanz genießen – wie der Plattenspieler SK4, auch als „Schneewittchensarg“ bekannt, oder das variable, noch heute erhältliche Regalsystem 606. Die schlichte Gestaltung der Produkte von Rams, reduziert auf ein Minimum und zugeschnitten auf intuitive Bedienung, war zu der damaligen Zeit ein absolutes Novum - nicht selten zitieren heutige Designer wie der Apple-Designchef Jonathan Ive Dieter Rams als Vorbild und Inspiration. Die ab Mitte der 70er Jahre von ihm aufgestellten „Zehn Thesen für gutes Design“ sind noch heute gültig und als Buch auch bei uns hier zu kaufen.

Foto: Portrait_Dieter_Rams_Copyright_Rams_Archiv.



Zu TSATSAS:

Das Taschenlabel TSATSAS wurde im Jahr 2012 von Esther und Dimitrios Tsatsas in Frankfurt am Main gegründet. In einer intensiven Auseinandersetzung mit Design, Mode und Kunst haben der Industriedesigner Dimitrios Tsatsas und seine Frau Esther, studierte Architektin, ein sicheres Gespür für das gestalterische Vokabular unserer Gegenwart entwickelt. In den Entwürfen zeigt sich ihre Sensibilität für das Zusammenspiel von Formen und Materialien ebenso wie ihr Blick für Details. Das Verarbeiten von Leder hat in der Familie eine lange Tradition: Der Vater von Dimitrios Tsatsas betreibt seit vierzig Jahren als Feintäschner ein Atelier in Offenbach am Main. Hier werden seit Gründung des Labels alle TSATSAS-Taschen nach alter Handwerkskunst und mit viel Liebe zum Detail von Hand gefertigt.

Foto: Portrait_TSATSAS_Coryright_Ramon_Haindl.