Außer Haus:

#2 XAVER´S

Am Rande des Gärtnerplatz-Viertels, in dem Teil der Rumfordstraße, in dem man sich paradoxerweise eher in Paris als in München wähnt, liegt also die selbsternannte “Evolution” des Bayerischen Wirtshauses: das XAVER'S. Die Eckwirtschaft, die der Münchner Augustiner Brauerei gehört, war jahrzehntelang einfach eine unprätentiöse Anlaufstelle im Viertel... bis sie im Frühling 2018 unter der Leitung der drei jungen Gastwirte und Geschwister Xaver, Theresa und Jakob Portenlänger neu eröffnet wurde. Diesmal, wieder in den Worten der Wirte, "traditionell erfrischend". Für Menschen unserer Natur, die nur Sachen sagen, die sie meinen, bedingt diese Aussage eine hohe Erwartungshaltung. Fast schon eine Offenbarung. Auf jeden Fall aber einen Restaurant-Tipp im HAUS GLANZ.

 

AMBIENTE:

Hier kommt die, oft fatale, Beziehung zwischen Erwartung und Realität am besten zu tragen und wir werden enttäuscht. Was auf Fotos spannend wirkt, entpuppt sich in natura als Einrichtung für den Massen- und Instagram-Geschmack. Durchdacht, aber nicht raffiniert. Vielleicht ein Grund, warum sich das Publikum an diesem verregneten Donnerstag Abend aus dem typischen Münchner Jungvolk (BWL, auch in Lederhosen, plus weibliche Fangemeinde - ja, auch wir denken manchmal in Klischees… ) zusammensetzt und einen Hauch zu laut ist. Einen Hauch zu eng ist es auch, so dass wir schwer in die Entspannung kommen. Hochtische tragen ihren Teil zu bei. Wir hätten auf dem Absatz kehrt gemacht, wenn nicht das Personal, allen voran einer der Geschäftsführer, uns oder besser unsere Hungerwut, charmant eingefangen und uns einen der ruhigsten Tische gegeben hätte. Also, gekonnte Gastgeber sind sie! Respekt. Und so bleiben wir und geben den gekonnten Gastgebern eine Chance. Je später der Abend, desto ruhiger und gemütlicher wird die Stimmung, das Testosteron ist samt Bewunderung weitergezogen. Erstes Fazit: Für ein intimes Date oder ein wichtiges Gespräch ist das XAVER´S nicht zu empfehlen.

ESSEN:

Die Speisekarte bietet das klassische Repertoire von Schweinebraten, Wurstsalat und Kaiserschmarrn. Die (erneut) selbst beschriebenen bodenständigen, aber überraschend innovativen Gerichte sehen wir nicht. Eine Ceviche von der Lachsforelle macht noch kein Münchner El Bulli. ABER zwei dicke Pluspunkte gibt es zu verteilen: Erstens gibt es viele der Gerichte in zwei Grössen. Das finden wir in den heutigen Zeiten elementar, denn es bietet einen nachhaltigeren Umgang mit Lebensmitteln und läßt auch Leute mit kleinerem Geldbeutel am sozialen Leben teilnehmen. Zweitens, und wie in jeder guten und jungen Gastronomie, werden die Lieferanten und ihre Produkte in der Karte gross ge- und beschrieben. Feinstes Fleisch, feinster Käse, feinste Weine... und das schmeckt man! Auch wenn das Essen kein rauschendes Fest für die Sinne war, im Zweifel entscheiden wir uns immer für das Restaurant mit der besseren Qualität.

 

FAZIT:

Wir würden dem XAVER´S noch eine zweite Chance geben, im Sommer, wenn die Tische draußen zu lauschigen Nächten einladen. Und wir würden ohne Erwartung hingehen, um dann vielleicht angenehm überrascht zu werden. Denn eine “Evolution” der bayerischen Wirtshauskultur, das stellen wir uns dann doch mutiger vor.

 

Empfehlung: 6/10

 

XAVER´S

Rumfordstr. 35

80469 München

www.xaver-s.de

 

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag ab 11:30 Uhr bis 24:00 Uhr

Speisen ab unter 10 Euro